History

50 Jahre Musikwissenschaftliches Institut der Universität Hamburg

Im Jahr 1949 wurde das Musikwissenschaftliche Institut der Universität Hamburg gegründet. Nach einer verwickelten und durchaus problematischen Vorgeschichte der Musikwissenschaft in Hamburg war damit der Grundstein für den Aufbau des Universitätsinstituts zu einem der größeren musikwissenschaftlichen Institute in den deutschsprachigen Ländern gelegt.

Formal vollzog sich die Errichtung des Instituts unter dem unscheinbaren Verwaltungsvorgang einer Namensänderung. Die Schulbehörde, in deren Ressort die Universität untergebracht war, teilte im Februar 1949 dem Dekan der Philosophischen Fakultät mit, daß mit Blick auf die anstehende Gründung einer Staatlichen Hochschule für Musik “der Antrag des Universitäts-Musikinstituts um Änderung seines Namens in ein ‘musikwissenschaftliches Institut der Universität'” erörtert werden müßte. Danach ging es schnell: Im August stellte die Fakultät den Antrag, im September stimmten der Senat der Universität und die Schulbehörde zu, und am 30. November 1949 besiegelte die Deputation die Institutsgründung.

Erster Direktor des Musikwissenschaftlichen Instituts wurde Heinrich Husmann. Dieser hatte bereits im Januar 1948 seine Lehrtätigkeit an der Universität Hamburg aufnehmen können. Mit großer Verve und persönlichem Einsatz sorgte er in den folgenden Jahren bis 1959 dafür, daß aus einem ‘Ein-Mann-Institut’ eine ausgewachsene Universitätseinrichtung mit sechs Abteilungen wurde: “Musikgeschichte – Ethnomusikologie – Systematische Musikwissenschaft (Musikalische Akustik, Tonpsychologie) – Allgemeine Kompositionslehre – Collegia musica – Landesmusikforschung”.

Bis heute ist es ein Anliegen des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität Hamburg geblieben, die einst von Heinrich Husmann in Lehre und Forschung verkörperte Vielfalt der Fragestellungen erhalten und den Studierenden anbieten zu können. Dem stand der Antrag auf Verselbständigung zweier musikwissenschaftlicher Fächer, den das Institut im Frühjahr 1970 einbrachte und den der Fachbereich Kulturgeschichte und Kulturkunde (in Nachfolge der alten Philosophischen Fakultät) am 3. Juni 1970 genehmigte, keineswegs entgegen. Infolge der rapide gestiegenen Spezialisierung auf allen Teilgebieten der Musikwissenschaft und der schnellen Zunahme des positiven und methodischen Wissens war es nur realistisch, auch das Studium durch verschiedene Schwerpunkte zu differenzieren. So wurden die Studiengänge Historische Musikwissenschaft und Systematische Musikwissenschaft festgelegt, verbunden mit der Empfehlung, beide Fächer als Haupt- bzw. Nebenfach miteinander zu kombinieren.

Ende 1961 hat das Musikwissenschaftliche Institut die 1883 im Stil der Neurenaissance erbaute Bürgervilla in der Neuen Rabenstraße 13 bezogen. Das schöne Haus, das von November 1983 bis Januar 1985 grundrenoviert wurde, besitzt einen größeren Saalanbau, der 1928 angefügt wurde, um die Mensa der Universität zu beherbergen. Heute wird er als Probenraum von der Akademischen Musikpflege sowie für größere Vorlesungen und Sonderveranstaltungen genutzt. Die zentrale Lage direkt an der Moorweide vor dem Dammtorbahnhof kommt dem Bestreben des Instituts entgegen, nicht nur den Kontakt mit dem Campus der Universität zu halten, sondern auch die Verbindung mit außeruniversitären Einrichtungen zu suchen. Viele wichtige Kulturinstitute sind zu Fuß zu erreichen, so die Hochschule für Musik und Theater, der Norddeutsche Rundfunk, die Staatsoper (am Gustav-Mahler-Platz) und die Musikhalle (am Johannes-Brahms-Platz), die Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky mit ihrer großen Musikabteilung, die Musikbücherei in der Zentralbibliothek der Öffentlichen Bücherhallen, die Deutsche Grammophon Gesellschaft sowie Musikverlage, Musikalienhandlungen und Schallplattenläden. Sollte sich der Trend fortsetzen, daß immer größere Bereiche des Kulturlebens dem freien Markt überantwortet werden und sich die öffentliche Hand sukzessive aus der Förderung der Wissenschaften zurückzieht, dann sieht es schlecht aus um die Universitäten – besonders hinsichtlich der kulturwissenschaftlichen Fächer. Mit Musikwissenschaft kann man – rein wirtschaftlich gesehen – nur ins Minus geraten. Profit läßt sich mit musikwissenschaftlicher Forschung (im Gegensatz zur Vermarktung von Musik) nicht machen. Der Gewinn, den die Gesellschaft aus kultureller Forschungsarbeit zieht, kommt keinem Etat zugute. Er gehört in den Bereich des mentalen Luxus. Freilich wäre zu bedenken, ob in einer Kulturnation, als die sich Deutschland ja nach wie vor begreift, das geistige Wohl der Allgemeinheit nicht so hoch zu veranschlagen ist, daß die öffentliche Förderung von Kultur und Wissenschaft für immer außer Frage stehen sollten.

(Prof. Dr. Peter Petersen)